Am Anfang etwas Geschichte
Kapitel 5
Elektrifizierung

Auf dem Waschmaschinenmarkt war schon ab ca. 1912 der Versuch erkennbar, die handbetrieben Maschinen mit einem Elektromotor auszustatten. Statt mit Muskelkraft wurde das Rührwerk mittels Treibriemen, Kurbeltrieb mit Zahnstange, elektrisch angetrieben. Diese Entwicklung bedeutet nicht, daß von nun an alle Waschmaschinen elektrisch angetrieben wurden. Handbetriebene Maschinen bildeten in den 20er Jahren die Mehrzahl. Und selbst nach dem Krieg gab es noch viele Haushalte die keine, bzw. nur eine handbetriebene Maschine besaßen. Der Übergang zur elektr. Bottichwaschmaschine vollzog sich in mehreren Schritten. Anfang der 50er Jahre wurde in Schwarzenberg/Sachsen, im VEB-Waschgerätewerk, dieses Modell gebaut und fand im ländlichen Bereich große Verbreitung.

Dieser Gerätetyp wurde von 1949 bis 1960 gefertigt. In dieser Zeit wurden 43.556 Maschinen diesen Typs hergestellt. Die Turna-Kraus wurde ab 1912 mit elektrischem Antrieb gefertigt und war wahlweise mit Kohlenfeuerung, Elektro-oder Gasheizung ausgerüstet.
Quelle: Horst Möckel, Schwarzenberg/Sachsen

Der beim Heizen mit Kohle entstehende Qualm musste mittels Schornsteinrohr ins Freie geleitet werden. Der Anschlußstutzen für Schornsteinrohr und der Hebel für den Schornsteinverschluß sind im oberen Bild zu sehen. Weiterhin ist seitlich ein Thermometer angebracht an dem die Laugentemperatur kontrolliert wurde. Das besondere liegt auch in der Variante der elektrisch bewegten Waschtrommel. Die Waschlauge wurde am rechten seitlichen Verschlussventil abgelassen. Das Hantieren mit heißer Waschlauge wurde somit wesentlich vereinfacht und war damit auch gefahrloser möglich. Um bei Stromausfall trotzdem Waschen zu können, ließ sich der seitlich angeflanschte Motor leicht abnehmen und es konnte immer noch von Hand gekurbelt werden. Auch dort wo kein Stromanschluß vorhanden war, konnte mit diesem Gerät gewaschen werden.

Motor: VEB Elektromaschinenwerk Thurm SA 220 Volt 2,3 Amp.

Infolge der kardanisch gelagerten Waschtrommel bewegte sich die Waschtrommel in alle Richtungen. Der Antrieb der Waschtrommel erfolgte durch einen seitlich angeflanschten Elektromotor welcher die Trommel in Bewegung hielt. Eine Reversierung war, wegen fehlender elektrischer Voraussetzungen, nicht gegeben. Aber dies wurde aufgrund der kardanischen Lagerungsart weitgehenst kompensiert. Die technische Entwicklung der Geräte wurde mehr und mehr durch die später einsetzende Elektrifizierung bestimmt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Versorgung von Häuser und Wohnungen mit Gas als größter Vorteil gefeiert. Doch es dauerte noch viele Jahre bis alle Haushaltungen an die Stromversorgung angeschlossen waren.


Holzbottichmaschinen mit Drehkreuz/Schlagflügel mittels Elektromotor hatten ihren Höhepunkt in den 50er Jahren erreicht und waren immer noch eine sehr kostspielige Anschaffung. Meine Mutter war so stolz auf ihre Waschmaschine, daß ich nur aus der Ferne zuschauen durfte wenn das Gerät in Betrieb war. Vermutlich hatte sie Angst, daß ich aus Neugier die Maschine auseinander nehmen würde. Auch erinnere ich mich noch, daß der Elektromotor der Waschmaschine nicht selbstanlaufend war, er mußte mit einem Schubs in Bewegung gebracht werden. Wurde dieses unterlassen stiegen kleine Qualmwölkchen aus dem Motor auf. Trotzdem lief das Gerät (Marke RONDO) immer zuverlässig und ohne nennenswerte Störung bis Anfang der 60er Jahre.

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"Metallbottich" Kapitel 6
       
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Homepage gesch5.htm© erstellt: 08.02.1999 update: 29.10.2004 URL:http://www.oldieWash.de e-Mail: wolter-berlin@t-online.de