Erinnerung an einen Waschtag um 1950/51
von Günter Wolter

Utensilien
An unserem Haus gab es eine Waschküche, die von außen über einen Hof erreichbar war. Ein kaltes und feuchtes Gemäuer. Hinten in der Ecke stand ein Waschkessel mit kupfernem Kesseleinsatz. An den Wänden hingen blecherne verzinkte Waschzuber, Wäschestampfer, Waschbrett, sowie die große blecherne Badewanne. In einem Schränkchen standen Pappschachteln mit der Aufschrift:  "Henko", "Persil" und "Sunlicht-Kernseife". Waschpulver und Seife war teuer und durfte nicht vergeudet werden.

Etwa alle 4 Wochen war „große Wäsche“ 
Einen Tag vorher wurden die in der Waschküche abgestellten Fahrräder, Arbeitsschuhe und sonstiger Kram, der nicht zum Waschen benötigt wurde, ausgeräumt und auf dem Hof abgestellt. So konnte die WaschkücheWaschtag, Foto Copyright: Günter Wolter, Berlin
alleinig und großräumig für den Waschtag genutzt werden. Schmutzige Wäsche wurde in die Waschküche gebracht. Holz und Kohlen mussten herangetragen werden. Letzteres war Aufgabe meiner älteren Brüder. Dabei holten sie Brennholz aus dem Stall und Kohlen aus dem dunklen Keller. Hier sorgten Mäuschen für ängstliche Gefühle. Waschwannen, Kübel und alles, was Wasser fassen konnte, sogar die große blecherne verzinkte Badewanne wurde von der Wand genommen und mit Wasser gefüllt. Das Füllen der Wannen erfolgte über Eimer und diese mussten stets herangetragen werden.

Einweichen der Wäsche
Der große Waschkessel musste ebenso mit Wasser gefüllt werden und dabei wurde ein Päckchen "Henko" Ei
nweichmittel eingestreut, welches mit einer großen Holzkelle unter ständigem Rühren aufgelöst wurde. Am Sonntagabend, meist einen Tag vor der großen Wäsche, wurden die weißen Wäschestücke in den Waschkessel eingelegt und die Wäsche darin über Nacht eingeweicht. Besonders schmutzige Stellen wurden mit Schmierseife eingerieben. Waren die Vorbereitungen abgeschlossen wurde im Feuerrost das Brennmaterial angezündet. Für uns Kinder eine wunderbare Kokelei! Doch noch musste das Feuer auf kleiner Flamme gehalten werden, da die eingelegte Wäsche über Nacht nur „ziehen“ sollte.  

Der große Waschkessel
wurde dann am Montag meist schon gegen 6.00 Uhr vom Vater ordentlich eingeheizt. Dampfschwaden zogen bei gutem Wetter ins Freie, bei kaltem Wetter verblieben sie in der Waschküche. Dies war dann besonders unangenehm, denn dabei durchfeuchtete selbst die Kleidung. Der gemauerte Waschkessel war ein Universalgerät. Samstags wurde das Badewasser darin heiß gemacht und wochentags d
Waschkessel um 1950 ; Foto Copyright Günter Wolter, Berlinas Viehfutter gekocht. Bei der Hausschlachtung der Schweine kochte der Metzger darin Blut-, Leberwurst und Schlachtfleisch. Und etwa alle 4 Wochen wurde die große Wäsche darin gekocht. Keine Frage der Hygiene, dies alles war für damalige Verhältnisse noch kein Problem. Eine Waschbütte stand auf einem Dreibein und in dieser Waschbütte stand ein Waschbrett. In der Bütte wurde das Waschpulver Persil gelöst und es entstanden wunderbare Schaumberge, was ein Zeichen von guter kräftiger Lauge war. Auf einer freien Stelle des Dreibeins lagen Wurzelbürste, Kernseife und Schmierseife bereit.

Rubbeln und bürsten
Nun wurden die einzelnen Wäschestücke - meist Leinen oder Baumwolle- mit einer hölzernen Waschzange der heißen Lauge entnommen, in die Waschbütte rübergehoben und dort auf dem Waschbrett intensiv gerubbelt. Schmutzränder oder Flecken wurden bei Bedarf mit Schmier- bzw. Kernseife eingerieben und
mit der Wurzelbürste ordentlich geschrubbt. Der erste Spülgang erfolgte mit heißen Wasser in einem gesondertem Wasserkübel, dem das Wasserenthärtungsmittel Sil zugegeben war. Das nachfolgende mehrmalige Spülen der Wäsche im kalten Wasser war insbesondere bei kaltem Wetter für die Hände eine Tortur. Im eisigen Wasser starben meiner Mutter immer die Finger ab. Das tat ihr vermutlich auch schon weh, jedoch wenn sich ihre Hände wieder erwärmten und das Blut zurücklief, begannen die höllischen Schmerzen. Ich höre sie noch immer sagen: „Waschen ist einfach aber das Spülen und Auswringen der Wäsche von Hand ist eine Plackerei“! Ihre Hände waren stark und groß wie eine Männerhand, doch am Waschtag waren sie schmerzempfindlich, gerötet und schrumpelig. 

Sonderbehandlung
Das benutzte heiße Wasch- und Spülwasser aus der ersten Runde wurde aufbewahrt, denn nach der Kochwäsche wurden darin nacheinander Buntwäsche, Strümpfe, oder Arbeitskleidung gewaschen. Neues Waschpulver wurde dazu nicht verwendet. Solange die Waschlauge noch einen kleinen Schaumberg hatte,
reichte dies für die normale Buntwäsche völlig aus. Mein Vater hatte als Bergmann jedoch besonders stark verschmutzte Wäsche und diese wurde gesondert, in einer der Wannen, vor dem Waschen mit IMI über Nacht eingeweicht. IMI war ein Schmutzlöser für Berufskleidung, welches Sie heute vergebens in der Angebotspalette der Supermärkte suchen. Die schwere Bergmannskluft konnte meine Mutter nicht bewältigen und so stand mein Vater –wenn er wieder Spätschicht hatte- fast immer mit an den Waschbottichen. Das Essen für den Waschtag wurde meist schon am Vortag zubereitet und nicht selten gab es einen kräftigen Eintopf der früh am Tag aufgewärmt, unter dicken Federbetten den Tag über warm gehalten wurde.

Aufhängen und Trocknen
Im Sommer wurden die weißen Wäschestücke entweder zum Bleichen auf der Wiese ausgelegt oder auf einer mir unendlich lang erscheinenden Leine, im Garten aufgehangen.

Foto Copyright by  Christl Thiel . www.pirkenhammer.de Ein wunderschöner Anblick; weiße große Bettlaken, Leibchen und Strümpfe ordentlich mit hölzernen Wäscheklammern aufgehangen, flatterten im Wind. Oft habe ich geglaubt einen gewissen Stolz bei meiner Mutter verspürt zu haben, ob der nun schönen weißen sauberen Wäsche.
Foto aus 1937. Copyright by Christl Thiel, 65385 Rüdersheim, www.pirkenhammer.de
bearbeitet: Günter Wolter
Von Nachbarinnen wurde übrigens genau registriert, um welche Uhrzeit die Wäsche auf die Leine kam und ob sie weiß oder grau war! Unterwäsche und geflickte Wäsche wurde etwas versteckt hinter größeren Bettlaken aufgehangen.

Bei schlechtem Wetter, wurde die nasse und schwere Wäsche auf den Dachboden getragen. Trockenleine. Foto Copyright Günter Wolter, BerlinKeine Arbeit die man alleine bewältigen konnte. Nicht selten habe ich gemeinsam mit meiner Mutter den geflochtenen Weidenkorb auf den Boden hochgebracht. Im Winter gefror die Wäsche steif, bis sie nach und nach austrocknete. Das Abnehmen der gefrorenen Wäsche von der Wäscheleine war doppelt mühsam. Wäsche die zum Bleichen auf der Sommerwiese ausgelegt war, musste von uns Kindern bewacht und wir mussten Obacht geben, dass unser Vieh wie: Gänse, Schafe, Hühner sich nicht auf der sauberen Wäsche breit machte. Es kam fast einer Tragödie gleich wenn wir Kinder nicht aufpassten und die Tiere auf der frischen Wäsche „etwas fallen“ ließen.
Um den aus dem feuchten Gras aufsteigenden Sauerstoff –zwecks Bleichwirkung- nutzen zu können musste die Wäsche mittels Gießkanne angefeuchtet werden. Dies erfolgte mehrmals und dauerte meist einen ganzen Nachmittag. Der Duft der Wäsche war nach dem Trocknen unvergleichlich frisch und angenehm und wir waren für einen Nachmittag an der frischen Luft. Langeweile kam dabei nicht auf.

Umfangreiche Nacharbeiten
Nun galt es in der Waschküche alles aufzuräumen. Das Waschwasser mit der Lauge wurde im Sommer mittels Eimer in den Garten gebracht und es wurde damit der Porree gedüngt bzw. dies sollte gut gegen Würmer sein. Spülwasser das keine Verwendung fand, wurde in einen Ausguss geleitet der auf der freien Wiese endete und dort für kräftigen Graswuchs sorgte und im Winter für eine eigene Eisbahn. Aus dem Kochkessel wurde die Asche entfernt und der Kessel gesäubert. Der kupferne Glanz des Kessels wurde durch Polieren aufgefrischt, Waschwannen und Waschutensilien weggeräumt und anschließend musste der Boden geschrubbt werden. Die entfernten Utensilien wie Fahrräder, Schuhe etc. wurden durch uns Kinder wieder zurück in die Waschküche gebracht. Wobei uns dies besonders große Freude machte, weil damit eine Runde Radfahren auf dem Hof möglich wurde. Ein herrliches Vergnügen! Die getrockneten Wäscheteile wurden von der Mutter ordentlich in den Wäschekorb gelegt.

Am folgenden Tag wurden gusseisernen Bügeleisen auf der Kochstelle des Kohleherdes erhitzt und mit diesen schweren Eisen die Wäsche gebügelt. Zu trockene Wäsche wurde leicht mit Wasser eingesprengt, zusammengefaltet, zurückgelegt und erst zum Schluss gebügelt. Nach dem Wasch- und Bügeltag musste die beschädigte oder verschlissene Wäsche geflickt und Strümpfe gestopft werden. Letzeres erfolgte meist in den Abendstunden und dazu summte Mutter meist noch einige Lieder.

Arbeitserleicherung
Eine Waschmaschine, Schleuder oder Wäschewringe hatten wir damals noch nicht und der Waschtag war demzufRondo Waschmaschine um 1950.                                                   Foto Copyright Günter Wolter, Berlin
olge ein sehr harter Tag. Bei großen Wäscheposten nach Familienfeiern etc. zog sich das Waschen nicht selten über mehrere Tage hin. Die erste kleine Erleichterung ging dann mit der Anschaffung einer Holzbottichwaschmaschine von Rondo einher. Doch so richtig zu Ende ging die Plackerei erst mit Erfindung des vollautomatischen Gerätes „Constructa“ von Peter Pfenningsberg. Aber aus Kostengründen dauerte es noch viele Jahre bis wir einen derartigen Vollautomaten unser eigen nannten.

Günter Wolter 01/04

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Homepage waschtag.htm © erstellt: 23.01.2004 update: 20.02.2011 URL:http://www.oldieWash.de e-Mail: wolter-berlin@t-online.de